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Über den Blog

Dieser Blog soll ein kreativer Raum sein, in dem ich über alles mögliche, was mir in meinem Leben begegnet, schreiben möchte.

Trauerjahr

Familiengedanken Posted on Wed, June 27, 2018 23:59:56

Ich kann es kaum glauben, aber das Trauerjahr ist fast vorbei. Am kommenden Montag ist es ein Jahr her, dass meine Oma gestorben ist. Unfassbar. Wirklich.

Ich sitze hier und fühle in mich hinein und überlege, wie das war, das Trauerjahr. Und was sich geändert hat. Heilt die Zeit die Wunden? Ich lese in meinem alten Blog, lese über die pure Verzweiflung im Januar, erinnere mich an das Gefühl der endlosen Leere kurz nach dem Tod, denke darüber nach, wie sehr sich alles verändert hat.

Trauerjahr.

Was heißt das? Ich fühle mich immer noch traurig, wenn ich zu lange an meine Oma denke. Wenn es spät abends ist (so wie jetzt), um mich herum alles still und dunkel. Wenn mich Erinnerungen fluten und ich das Gefühl habe, ihre Stimme zu hören, ihre rauen, faltigen Hände zu spüren, ihre Zuneigung zu erfahren. Dann kommt der Kloß im Hals wieder zurück und ich weiß noch genau, wie es war, als ich meinte, an diesem Kloß ersticken zu müssen. Reminiszenz.

Vor ein oder zwei Wochen habe ich von meiner Oma geträumt. Das erste Mal seit ihrem Tod. Bis dahin erschien mir ihre Abwesenheit als entgültige Tatsache. Sie war wirklich weg. Im Gegensatz dazu hatte ich nach dem Tod meines Großvaters immer das Gefühl, dass er ständig anwesend und präsent ist und mir seine Hand auf die Schulter legt. Mich weiterhin begleitet.

Dieser Traum glich einer Erlösung. Auch sie ist da. Sie hat sich nicht einfach davon gestohlen. Ohne Verbindung. Man mag vom Tod denken was man will. Für mich ist es nur ein Übergang in eine andere Existenzform. Man verlässt den menschlichen Körper, der vielleicht eh schon jenseits jeglicher vernünftigen Funktion liegt. Und lebt anders weiter. In dieser Andersartigkeit kann man durchaus in Kontakt treten mit den Lebenden. So sehe ich das.

Nur meine Oma hat da nie gemacht. Mir erschien es fast wie eine Weigerung – oder Verweigerung. Sie wollte nicht, konnte nicht, was auch immer. Und dann dieser Traum … sie war da. Anwesend. Ganz klar und deutlich. Und sie hat mich umarmt, ganz fest, und hat gesagt, dass alles gut wird. Ich habe eine immense Erleichterung verspürt, die Existens dieser Verbindung, auf die ich so lange gewartet habe, macht es mir leichter, dieses Jahr zu ende zu bringen. In meinem Herzen ist sie nach wie vor so präsent als wäre sie nicht weg. Als säße sie in ihrer Wohnung, knappe 3 Kilometer Luftlinie von hier entfernt, so wie sie es davor immer getan hat.

Omilein.

Mir kommen noch immer die Tränen. Aber nicht mehr so oft. Und nicht mehr so gewaltätig. Die Trauer wird leiser. Tritt ein wenig zurück und überlässt die vordeste Front anderen Themen.

Vergessen werde ich nicht. Aber ander erinnern. Das schon.



Wegbegleiter

Lebensgedanken Posted on Thu, June 21, 2018 21:41:32


Ich hatte Besuch, von einem alten Bekannten, von einem guten Freund aus früheren Tagen, also von damals, als ich »noch jung« war. Wir kennen uns seit wir ungefähr dreizehn oder vierzehn sind. Musikfreizeiten, Orchester- und Kammermusikspielen bis zum Umfallen, Nächte durchmachen, reden, Unsinn machen, bunte Abende gestalten. Stippvisiten hier und dort und bei anderen gemeinsamen Freunden, Geburtstage, lauter Überraschungspartys und Besuche, er wird achtzehn, ich werde achtzehn, die anderen werden es auch. Wir haben das Schienennetz der Deutschen Bahn viel genutzt.

Es ist schon komisch, wie viel Erinnerung bleibt, wie gleich man bleibt in seinem Herzen, und wie viel sich doch verändert hat. Jedenfalls im Äußeren. Wenn ich mich mit ihm treffe, dann schimmert das Glücklichsein von damals durch, dieses Gefühl von unendlichem Spaß, und davon, dass das Leben noch vor einem liegt mit all seinen verschworbelten Wegen und Möglichkeiten. Damals war mir das nicht so bewusst wie heute.

Er war also hier, wir haben uns zwei Abende lang unterhalten, von unserem Leben erzählt, uns gewundert, dass der Spaß am und im Leben sowie das Gefühl von Glück manchmal im toten Winkel liegen bleiben. Man kann den Kopf drehen und wenden, wie man will, man bekommt weder den Spaß noch das Glück zu Gesicht. Die Hoffnung, dass die beiden noch da sind, stirbt zuletzt.
Heute sind andere Dinge wichtig als damals, frühere Probleme sind keine mehr, neue sind dazu gekommen. Und immer die Reminiszenz und das Zusammengehörigkeitsgefühl. Der Abend schreitet dahin, es wird langsam dämmrig und dunkel und in mir steigt Müdigkeit auf. Eine Müdigkeit, die ich von früher gar nicht kenne. Knochendurchdringende Müdigkeit. Durchgemachte Nächte sind für mich das Grauen in Person. Heute. Damals war das anders. Da war das einfach lustig. Ihm geht es ähnlich. Gegen zehn Uhr tritt er den Weg zu seiner Unterkunft an. Ich begleite ihn ein Stück.

Ein lauer Abend, eine warme Brise auf der Haut und der Geruch von Sommer in der Luft. Das Glücksgefühl, das sich in mir angesammelt hat, steigt nach oben und ich möchte einen Schrei ausstoßen, so froh bin ich im Hier und Jetzt. Ich tue es nicht. Das gute Benehmen, die Nachbarn und so … und dennoch … das Herz ist offen für die Schönheit der Welt.

Wir machen uns auf den Weg. Wir laufen, ein flottes Tempo. Auf einmal sehe ich einen glühenden Punkt durch die Luft fliegen. Ich kann es kaum fassen: ein Glühwürmchen. Hier. Wahnsinn. Ich habe diese Tierchen seit ewigen Zeiten nicht mehr gesehen. Es werden mehr und mehr, sie tummeln sich in der Luft, sitzen in den Blättern der Büsche am Wegesrand und leuchten vor sich hin. Wegbegleiter. Die Glühwürmchen und mein Bekannter. Beide Begegnungen haben mich sehr glücklich gemacht. Es war dieses Glücksgefühl von damals, dieses Gefühl, dass die Welt einfach stimmt und ich genau da hingehöre, wo ich bin. Für ein paar Momente kann ich sie spüren, die sich so oft in Abwesenheit befindliche Leichtigkeit des Seins. Es gibt sie noch. Und das ist mehr als tröstlich.



Wieder online

Schreibgedanken Posted on Sun, June 17, 2018 20:41:37

Es ist soweit. Ich habe gerade herausgefunden, dass ich innerhalb meines Webspaces auch einen Blog anlegen kann. Also, gleich mal ausprobiert. Und hier ist er jetzt. Der erste Eintrag in meinem neuen Blog. Ich bin mit der ganzen Aufmachung und Ausstattung noch nicht so recht warm geworden, aber das kann ja noch werden.

Ich muss ehrlich sagen, dass mich diese ganze Webspace, Blog-Einrichten, Webseite programmieren, Datenschutz beachten und was nicht noch alles dazu gehört, heillos überfordert. Ich möchte nur meine Beiträge und Rezensionen schreiben und mit dem ganzen technischen Kram nix zu tun haben. Aber so einfach ist das nicht im Leben. Man muss über alles informiert sein, die neuesten Techniken drauf haben, alles richtig umsetzen. Am besten ist man gleich noch ein kompletter Computer-Crack. Ich warte ja irgendwie auf den Tag, an dem meine Kids so weit sind, dass sie es besser beherrschen als ich und ich dann nur hingehen brauche, ein paar traurige Hundeaugen mache und jammere: mein Soooooohn, ich versteeeeehe das nicht, kannst du mir heeeeeelfen?

Und dann macht Herr Sohn drei Clicks und alles funktioniert. So ähnlich war das doch mit der Generation über mir auch. Ist es immer noch. Und ich kann nicht mehr so recht helfen. Weil ich es nicht mehr verstehe. Und mich damit nicht befassen mag.

Aber bis dahin muss ich noch ein paar Jährchen warten und mir selbst zu helfen wissen.

Ach je …



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