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Über den Blog

Dieser Blog soll ein kreativer Raum sein, in dem ich über alles mögliche, was mir in meinem Leben begegnet, schreiben möchte.

Cream Tea in Ottobrunn

Alltagsgedanken Posted on Sun, October 06, 2019 18:55:36

Heute war ein Tag der Freude. Ich habe es nämlich geschafft, Clotted Cream herzustellen. Diese englische Spezialität, die bei einem vernünftigen Cream Tea auf keinen Fall fehlen darf, ist hier nicht ganz einfach zu kriegen. In ein paar britischen Spezialitäten-Läden kann man sie kaufen, allerdings zu horrenden Preisen. Dank dieser Webseite

https://www.we-love-pasta.de/2014/05/28/clotted-cream-traumhaft-sahnig/

habe ich jetzt das passende Rezept gefunden. Ausprobiert, und es hat auf Anhieb funktioniert. Das dauert alles ein bisschen: Gute Bio-Sahne im Wasserbad bei 80 Grad in den Ofen stellen und dort etwa 8 Stunden drin lassen. Es bildet sich eine leicht gelbliche Schicht. Das Ganze muss dann eine ganze Weile abkühlen (ich hatte es über Nacht auf dem Balkon). Die Schicht wird in diesem Prozess hart. Jetzt noch abschöpfen. Clotted Cream in perfection. Traumhaft. Himmlisch. Einfach nur wunderbar.

Dazu braucht es natürlich ordentliche Scones. Die machen wir aber öfter und ich habe hier schon mein Lieblingsrezept. Heute sind sie besonders gut gelungen, ich habe mehr Backpulver verwendet als sonst und das war genau richtig. Sie sind schön aufgegangen, waren weich in der Mitte, und hatten eine leichte Kruste oben drauf. Wie es sich gehört.

Scone aufschneiden, Clotted Cream drauf, und dann ein Klecks Erdbeermarmelade. Was braucht man mehr.

Dazu einen wunderbaren Tee (PG Tips) und wir haben uns wirklich wie im englischen Himmel gefühlt.

To be repeated.



Gruselgestalten ganz lieb

Alltagsgedanken Posted on Sun, December 30, 2018 21:58:04

Ganz nach dem alten Brauchtum haben auch dieses Jahr »D’Boch Peachtn« wieder die verschiedenen Gemeinden, die am Hachinger Bach liegen, heimgesucht. Wild kommen sie daher, gekleidet in Fellen verschiedenster Art, riesige Glocken hängen ihnen um die Taille, kleinere um die Beine, und machen einen gewaltigen Lärm. Und die Gesichter? Es sind grässliche Fratzen, blutüberströmt, gruselige Zähne, wilde Hörner, krumme Nasen, grauslig leuchtende Augen. Alles da also, was eine echt furchterregende Gestalt ausmacht. Mit einem bewundernswerten Auge fürs Detail hergestellt. In der Hand halten sie Fackeln und Ruten. Nach einem Brauch, der in Süddeutschland und Österreich gelebt wird, treiben die schiachen Gesellen mit ihrem Lärm und ihrem Aussehen den Winter bzw. die bösen Geister des Winters aus.

So durchziehen sie die Ortschaften. Menschen sammeln sich am Straßenrand und warten auf die schrecklichen Gesellen. Und dann hört man das erste Scheppern der Glocken in der Ferne, sieht die Fackeln. Endlich sind sie da, stehen vor einem. Zum Fürchten. Die Kinder verkriechen sich hinter ihren Eltern und lugen höchstens mit einem Auge hervor.
Ganz im Gegensatz zu ihrem Aussehen sind »D’Boch Peachtn« aber ganz freundliche Gesellen. Sie kommen mit ihren Ruten zu den Zuschauern, berühren sie leicht und wünschen »a guads Nei’s«. Den Kindern, die Angst haben, strecken sie vorsichtig ihre Ruten hin, damit diese sie berühren können, sie nehmen mutigere Zeitgenossen in den Arm und lassen Fotos schießen. Manch ein Kind konnte so seine Scheu verlieren und ein fröhliches »guads Nei’s« zurückwerfen. Und trotzdem sind sie jedes Mal erst mal so richtig gruselig.

Die Gesellen ziehen weiter, die Menge an Schaulustigen, die hinter ihnen her geht, wird immer größer. Das Spektakel mündet dann in einen Tanz der Perchten, wo sie mit großem Schellengeläut eine gut choreografierte Vorstellung geben.

Krampusläufe sind auch in anderen Gemeinden bekannt. Gut besucht und damit sehr viel durchorganisierter sind die Läufe in Kirchseeon und in München. Hier sind die Perchten oft zu viel gruseligem Schabernack aufgelegt, erschrecken die Zuschauer, klauen ihnen Mützen oder Haarbänder.

Das ist es, was »D’Boch Peachtn« so besonders macht. Sie sind Gruselgestalten ganz lieb und sie wandern ohne viel organisatorisches drumrum durch die Gemeinden. Ein wunderbarer Brauch. Weiter so!



Über die Peinlichkeit des Seins

Alltagsgedanken Posted on Wed, July 04, 2018 22:20:32

Ich habe eine Tochter, die ist vergangenen Februar neun Jahre alt geworden. Und ich habe festgestellt, dass wir seit ein paar Wochen in eine ganz neue Phase eintreten. Die Phase der Peinlichkeit hat uns erreicht. Alles ist peinlich. Aber wirklich. Alles. Ein sehr häufig gehörter Satz aus dem Munde dieses wunderbaren Mädchens ist: »Aber neeeeeiiiiin, Mama, das ist peeeeeiiiiinlich!«

Ich muss dann immer so lachen. Und ein bisschen peinlich sein (jedenfalls für ihre Begriffe), weil es lustig ist, wenn sie oben erwähnten Satz in größter Verzweiflung von sich gibt. Bisschen mütterlicher Sadismus muss hier schon sein.

Wir waren letztens auf einem Sommerfeuer und da gab’s auch eine Life-Band. Ich habe so ein bisschen zur Musik getanzt – wobei das wirklich schon fast übertrieben ist. Habe mich dazu ein wenig bewegt, sagen wir es mal so. Meine Tochter ist fast ausgeflippt. »Mamaaaaaa, das geht nicht, das ist so peinlich.« Ich konnte es natürlich nicht lassen, die eine oder andere “peinliche” Bewegung zu machen.
Ja, wir haben uns dann lange darüber unterhalten, immer wieder, über den Blick der anderen auf die eigene Person. Wo darf mich dieser Blick einengen, wo vielleicht besser nicht. Sie wird ihren Weg finden, da bin ich mir sicher.
Wir sind dann ganz nah an die Bühne gegangen, wo es auch noch andere Menschen gab, die sich zur Musik bewegt haben, die sogar getanzt haben. Da wurde es besser. Sie hat mitgetanzt und hatte einen Heidenspaß.

Auf der Geige vorspielen ist auch peinlich. Dabei macht sie es so gut, so souverän, so ganz ohne jeglichen Grund auch nur einen Ansatz von Peinlichkeit oder Scham spüren zu müssen. Einer Freundin geliehene Unterwäsche zurückzugeben ist auch peinlich.

Ich erinnere mich gut daran, was mir alles peinlich war, als ich noch ein Kind oder eine Jugendliche war. Das war eine ganze Menge. Ehrlich. Ich war da ganz schlimm. Und heute? Ist nicht mehr viel übrig geblieben davon. Mir ist es ziemlich egal geworden, was andere Menschen über mich denken. Sollen sie doch denken, was sie wollen. (Ich denke ja auch, was ich will). Ob ich so aussehe oder anders, ob ich tanze wie der letzte Neanderthaler oder wie eine Königin, ob ich Unsinn rede oder nur vernünftiges von mir gebe … who cares, really? Es ist natürlich nicht immer ganz so einfach, aber im Großen und Ganzen stehe ich drüber. Ich finde es sehr schön, dass ich mich von solchen Zwängen befreien konnte. Sie engen ein, sie lassen einen Dinge nicht tun, die eigentlich total toll wären, die das Leben bereichern würden oder einen meilenweit vorwärts bringen. Man tut sie nicht, weil es »peinlich« ist. Zum Teil sogar wider besseren Wissens.

Andererseits ist das Gefühl der Peinlichkeit natürlich auch ein gesellschaftlicher Regulator, so dass es zumindest gewisse Grenzen gibt, was in einer Kultur möglich und gewollt und was einfach jenseits jeglicher Möglichkeiten liegt. Sie ist Regulator und wohl auch Wegweiser – wenn sie nicht alles und jeden vereinnahmt.

Was ist das überhaupt, Peinlichkeit? Es steckt das Wort »Pein« darin, also Qual. Oh ja, das ist sie, die Peinlichkeit. Eine ordentliche Qual. Man denke nur an den ersten unbeholfenen Tanz in einer Disko, wo doch alle GUCKEN. Nein, ALLE gucken. MICH. AN. Oder wenn einem auf einmal kommt, was man da am morgen zur Kollegin gesagt hat, das war ja oberpeinlich. Peinlichkeit ist aber nicht nur im Gegenüber mit anderen Menschen vorhanden, das eigenen Selbst mit den gesteckten und nicht erreichten Zielen kann ebenfalls mit sehr viel Peinlichkeit daher kommen. Wer schafft es schon, diese riesenlange Liste von Ansprüchen, die man gerne an sich selbst stellt, zu erfüllen? Wie oft ist es einem – wenn auch nur still und leise – peinlich, wo und wie man wieder versagt hat? Peinlichkeit ist also nicht nur ein gesellschaftlicher Regulator, sondern auch ein persönlicher. Wobei hier die Bandbreite dessen, was peinlich sein kann, individuell total unterschiedlich ist. Wie schon gesagt, manche ist alles peinlich, anderen überhaupt nichts.

Ich finde es sehr schön, meiner Tochter beim Großwerden zuzusehen. Diese ganzen Schritte und Phasen, die mir, jetzt wo sie älter wird und wir in Regionen kommen, wo ich auch noch Erinnerungen an meine eigene Kindheit habe, sehr bekannt und vertraut sind. Im Guten wie im Schlechten.

Ich hoffe, dass sie die Peinlichkeit des Seins, die sie gerade so intensiv verspürt, irgendwann ad acta legen kann. Es lebt sich einfach entspannter. Mütterliche Weisheit ist allerdings völlig fehl am Platz. Das sind Erfahrungen, die man einfach selber machen muss.