Der Roman „Lange Haare“ von Raimund Fellner ist 2020 im Raimund Fellner Verlag erschienen. Es ist die Fortsetzung des im Jahre 2010 ebenfalls im Raimund Fellner Verlag erschienenen Romans „Abirrung“ und beschreibt den weiteren Lebensweg des jungen Raimunds.
Der junge Raimund hat sich ganz und gar den langen Haaren verschrieben. Sie sind für ihn das äußere Zeichen eines ungestutzten, freien Geistes, der sich den Zwängen der Gesellschaft und der Arbeitswelt nicht beugt, seine Ideale und die Freiheit unter keinen Umständen aufgibt. Genauso sind die langen Haare ein Zeichen der immerwährenden Liebe zu Bea, seiner Femme fatale, seinem Idol und Ideal, von dem er sich in der Realität weit entfernt, in seiner Traumwelt aber ganz nahe kommt.
Während Kommilitonen und Freunde den äußeren Zwängen nachgeben, sich die Haare stutzen, spießige Anzüge tragen, sich bei Arbeitgebern anbiederten, heiraten, immer wieder ungewollt Kinder in die Welt setzen und damit der Freiheit endgültig den Rücken kehren, bleibt Raimund seinen Idealen treu.
Sein eigener, innere Drang zur bedingungslosen Freiheit und der dagegenhaltende äußere Druck, etwas aus dem Leben zu machen, führen bei dem psychisch instabilen Heranwachsenden zu übermäßigem Suchtmittelgenuss und weiter zu diversen Psychosen und folgenden Psychiatrieaufenthalten. Nur schwer kann sich Raimund aus diesem nicht enden wollenden Kreislauf befreien und seinen Zielen, dem Reinheitswandel nach Buddha und einer völligen Verinnerlichung seiner ewigen Liebe zu Bea, näherkommen.

Raimund Fellner ist ein sprachlich sehr gewandter Autor, der sich nicht davor scheut, die Sprache zu seinen Zwecken zu formen und zu nutzen. Diese Tatsache verleiht dem Roman eine positive Frische. Immer ist der Text durchdrungen von philosophischen Ideen. Eindringlich und befremdlich zugleich entsteht diese andersartige Welt. Freiheit und Liebe erhalten einen ganz neuen Stellenwert und eine Dimension, die ihresgleichen sucht. Das Buch ist sehr lesenswert, sowohl wegen des Inhalts, also auch wegen der sprachlichen Ausgestaltung.