Der 15-jährige Gymnasiast Morten, genannt Motte, hat einen besten Freund. Den Bogi. Und auf einmal ist Bogi weg. Im Krankenhaus. Und da bleibt er ziemlich lange, weil er sehr krank ist. Der neue Bogi, der im Krankenhaus, ist so anders als der alte, fast schon so, als würde er gar nicht mehr zu Mottes Welt gehören. Worüber und wie soll Motte jetzt mit ihm reden? Wo er doch eigentlich gar nicht weiß, was er sagen soll. Und außerdem ist da nicht nur Mitleid, sondern auch eine Menge Wut im Bauch, dass Bogi ihn einfach so alleine lässt.

Als ob das nicht genug wäre, scheint Mottes Leben in allen möglichen Bereichen auseinanderzufallen. Sein Vater brennt mit einer anderen Frau durch, seine Mutter kämpft schwer mit der neuen Situation, und dann erweckt der Anblick eines Mädchens aus der Nachbarschule auf einmal so ganz neue Gefühle in Motte …

Matthias Brandt gelingt mit »Blackbird« ein großartiger Einblick in das verworrene Seelenleben eines pubertierenden Jugendlichen, der auf einmal mit Tod, Trennung und Liebe konfrontiert wird. Die Sprachlosigkeit des Protagonisten nach außen und die gleichzeitige Gedankenflut im Inneren sind das Gerüst des Romans. Der Leser erlebt Mottes Welt aus der Ich-Perspektive, eine sehr kluge Perspektiven-Wahl. Näher kann man einem Protagonisten nicht kommen. Das verleiht dem Roman eine persönliche Tiefe, die den Leser bis zur letzten Seite fesselt.

Trotz des ernsten Themas ist das Buch voller Witz und Komik. Mottes Blick auf die Welt ist mit so trockenem Humor unterlegt, dass man immer wieder an sich halten muss, um nicht laut loszulachen. Scharf beobachtet und skizziert ist das Verhalten der Erwachsenen mit all der Heuchelei, die hier oft anzutreffen ist, aber auch mit all den positiven Aspekten. Man lernt so einiges über die Bedürfnisse, Ängste und Nöte eines pubertierenden Jugendlichen.

»Blackbird« ist ein durch und durch gelungenes Werk, voller Humor, Liebe und Weisheit.

Der Roman »Blackbird« von Matthias Brandt ist 2019 im Verlag Kiepenheuer & Witsch erschienen.