Der Roman »Das blaue Album« wurde von Heide-Marie Lauterer geschrieben und ist 2017 im Rungholt Verlag erschienen.

Eine Frau, ihre Tochter und ihre Mutter, ein klobiger Sekretär, der sich nicht bewegen lassen will, und ein blaues Album mit Fotos aus der Nazizeit. Dazu ein Archäologe und ein Partner mit rechtsradikalem Freundeskreis. Das sind die Grundzutaten dieses Romans. Damit entfaltet Lauterer eine spannende Geschichte über unausgesprochene Themen aus der Vergangenheit, die sich immer wieder in die Gegenwart drängen, um endlich gesehen, verstanden und verarbeitet zu werden.

In dem alten Sekretär, einem Erbstück ihrer Mutter, entdeckt Helena zusammen mit ihrer Tochter Blue ein blaues Album mit Fotos ihres Vaters aus der Nazizeit. Die Bilder werfen Fragen auf, die sich so leicht nicht beantworten lassen. Die Existenz und der Inhalt dieses Albums interessieren auch andere Leute, wie zum Beispiel Blues Freund und auch den Archäologen Paulus, den Helena auf einer Party kennenlernt.
Das Album verschwindet, keiner weiß, wo es abgeblieben ist, es zu finden, wird ein immer dringlicher werdendes Anliegen. Helena macht sich auf die Suche und kommt dem Geheimnis ihrer Familie immer näher. Paulus lädt sie zu seinen Grabungsstätten ein und führt sie auf eine schamanische Visionssuche, die Helena die Schatten der Vergangenheit erleben lässt.
Helenas Tochter startet eigene Recherchen und findet durch Akten im Archiv heraus, was es mit Opa Karl auf sich hat.

Lauterer nimmt sich in ihrem Roman der Bewältigung der NS-Zeit an und zeigt, wie sehr die Taten und das Schweigen der Eltern- und Großelterngeneration Einfluss auf das eigene Leben haben. Diese Thematik verwebt sie meisterhaft mit den gegenwärtigen Problemen der Immigration und des erstarkenden Fremdenhasses im heutigen Deutschland, so dass ein interessantes Mosaik aus Vergangenheit und Gegenwart entsteht, das ein Grundthema hat: wie gehe ich mit Menschen um, die anders sind? Und was haben wir aus unserer Vergangenheit gelernt?

Lauterer schreibt in eindringlicher Sprache und je weiter die Geschichte fortschreitet, desto weniger kann sich der Leser dem Sog, der sie entfaltet, entziehen.

Fazit: ein vielschichtiges Leseabenteuer, das die Augen dafür öffnet, dass auch das Leben und die Taten der vergangenen Generationen eine unübersehbare Wirkung auf die Gegenwart haben. Man darf sie nur nicht verdrängen, denn sie werden ihren Weg nach oben finden.